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DIE SOZIOLINGUISTISCHEN UND FUNKTIONALEN ASPEKTE

DER STRATIFIKATION DES DEUTSCHEN WORTBESTANDES

 

Unter Stratifikation des Wortbestandes ist seine Schichtung zu verstehen, d.h. die Schichtung, die eine Sprache entwickelt, um der vielseitigen Kommunikation einer Sprachgemeinschaft gerecht zu werden.

Aus den wichtigsten Funktionen der Sprache geht hervor, dass sie eine in vieler Hinsicht komplexe Erscheinung ist. Jede Sprache weist nicht nur regionale Unterschiede auf, sie ist auch in sozialer und funktionaler Hinsicht nicht homogen, sondern durch verschiedenartigste Varietäten und Varianten gekennzeichnet.

Innerhalb einer Sprache, die durch die Einheit der Aussprache und insbesondere durch die Einheit der grammatischen Formen gekennzeichnet ist, gibt es in Wirklichkeit soviel besondere Wortschätze, wie es innerhalb einer Gesellschaft, die diese Sprache spricht, autonome soziale Gruppen gibt.

So tritt uns auch die deutsche Sprache der Gegenwart in mannigfaltiger Gestalt entgegen. Sie klingt in Mecklenburg anders als in Sachsen oder Bayern, sie trägt aber auch unterschiedliche Züge, je nachdem, ob sie im amtlichen oder privaten Verkehr, im Alltag oder bei feierlichen Anlässen, im Forschungslabor oder auf der Jagd gebraucht wird. Als das Instrument der Verständigung ist sie den verschiedenartigen Bedingungen und Anforderungen der gesellschaftlichen Kommunikation angepasst; so bilden sich ihre besonderen Erscheinungsformen heraus.

Im Zentrum der Soziolinguistik steht die Beschreibung und Erklärung sprachlicher Varietäten

(= sprachliche Existenzformen sowie andere Subsysteme) und Varianten (= einzelne Elemente), ihrer Dynamik sowie ihrer wechselseitigen Beziehungen. Die Grundlage der lexikalischen Schichtung des Deutschen ist zunächst in den Varietäten mit ihren regionalen, sozialen und funktionalen Differenzierungen zu erkennen. Nachstehend wird eine übersichtliche Darstellung der Erscheinungsformen des Deutschen gegeben, die von R.Große zwar vor mehreren Jahren aufgestellt wurde, aber mit einigen Präzisierungen auch heute allgemeingültig ist.

Die allgemeingültige Erscheinungsform der deutschen Sprache wird in der Germanistik traditionell Schriftsprache genannt. Dieser Terminus meint durchaus auch die gesprochene Sprache.

 

Einheitssprache (Funktion)      

Erscheinungs-

form

räumlich

soziologisch

(historisch)

stilistisch

 

1.Schriftsprache

Erscheinungssprache, Gemeinsprache

Hochsprache

Kultursprache,

Standardsprache

 

2.Umgangssprache oder Halbmundart

Landschaftssprache

(Stadtsprache)

Verkehrssprache

Alltagsprache

 

3. Mundart

 

Ortssprache

(Volkssprache)

Haussprache

 

Die Schriftsprache ist jene normalisierte Form, jene präskriptive (auf Vorschriften beruhende) Norm der deutschen Sprache, die gesprochen wird: auf der Bühne, im Funk, im Film, am Rednerpult, auf der Kanzel, im offiziellen Gespräch; die geschrieben wird: in der schöngeistigen und wissenschaftlichen Literatur, in der Presse, im amtlichen Beruf. Genauer gesagt: an diesen Stellen und bei diesen Gelegenheiten wird die schriftsprachliche Norm angesterbt. Die Realisierung der Norm nennt man Hochsprache; sie ist also eine aktivierte Schriftsprache mit gewissen  landschaftlichen Färbungen. Sie ist die Sprache der kulturellen Funktion, also Kultursprache, neuerdings auch Standardsprache genannt. Zu den wichtigsten funktionalen Merkmalen der Schriftsprache gehört die Überwindung der landwirtschaftlichen und sozialen Begrenztheit. Sie ist Einheitssprache, Gemeinsprache.

Die Gemeinsprache ist die im ganzen deutschen Sprachgebiet gültige, allen Angehörigen der Sprachgemeinschaft verständliche und zur allgemeinen, nicht speziell fachgebundenen Kommunikation gebrauchte Form des Deutschen.

Die zweitwichtigste Erscheinungsform, die mit gewissen Einschränkungen zu den gemeinsprachlichen Formen gehört, ist die Umgangssprache, – ein Ausgleichsprodukt zwischen der Gemeinsprache und den Mundarten. Räumlich ist sie gekennzeichnet durch einen regional begrenzten Geltungsbereich; funktional ist sie in erster Linie ein Kommunikationsmittel des mündlichen Verkehrs, und zwar vor allem des persönlichen Gesprächs, also gewöhnlich der nicht offiziellen Situation.

Nach der Nähe/Weite zur Schriftsprache (Literatursprache) unterscheidet man heute drei Typen der Umgangssprache.

Die Erscheinungsformen des Deutschen sind dementsprechend folgenderweise darzustellen:

 

I. Schriftsprache bzw. Literatursprache

 

Hochdeutsche (literarische) Umgangssprache der Gebildeten

II. Umgangssprache

Großlandschaftliche Umgangssprache

 

Kleinlandschaftliche (mundartnahe) Umgangssprache

III. Mundart

 

Entsprechend der sprachsoziologischen Charakteristik der Erscheinungsformen sind im deutschen Wortbestand zu unterscheiden:

1. Wörter und feste Wotkomplexe, die im ganzen deutschen Sprachgebiet von allen Angehörigen der Sprachgemeinschaft verstanden und in der allgemeinen sprachlichen Kommunikation gebraucht werden;

2. Wörter und feste Wortkomplexe, die auf bestimmte Sachbereiche oder soziale Gruppen von Sprachträgern beschränkt sind;

3. Wörter und feste Wortkomplexe, die regional (landschaftlich) beschränkt sind. Ihre Charakteristika und Wechselbeziehungen sind Objekte der soziolinguistischen Forschung.

 

Die sozial-berufliche Differenzierung

des Wortbestandes (Sonderlexik)

 

Begriffsbestimmung. Das Problem der Klassifikation

 

Für sozial-beruflich bestimmte Ausprägungen des Wortschatzes werden in der Germanistik viele Termini gebraucht: Sondersprachen bzw. Sonderwortschätze,  Sonderlexik, Soziolekte. Dieser Wortschatz entwickelt sich in verschiedenen Gruppen der Sprachgemeinschaft aufgrund des gemeinsames Berufes, gemeinsamer Interessen, gemeinsamer Lebensbedingungen.

Das ist also ein eigenständiger, von allgemeinverständlichen Wörtern und Wendungen der Gemeinsprache abweichender Wortschatz der sozialen Gruppen der Sprachgemeinschaft, differenziert nach Sachbereichen und anderen Merkmalen des Gruppendaseins.

In der Germanistik wurde die Sonderlexik traditionsgemäß in drei Gruppen eingeteilt:

1. Standessprachen (Jargons);

2. Berufssprachen (Berufswortschatz);

3. Fachsprachen (Termini).

In der einschlägigen Literatur der letzten Zeit besteht eine Tendenz den Gesamtbereich der Sonderlexik nach der Art ihrer funktionalen Beschaffenheit als eine Zweiteilung zu betrachten:

1. Fachsprachen/ Fachwortschätze

2. Gruppenspezifische Wortschätze

 

 Fachsprachen/ Fachwortschätze

                                                                                                                                                                        

Termini (Fachwörter). Unter Termini oder Fachwörtern versteht man fachbezogene Wörter, die in fachgebundener Kommunikation realisiert werden.

Als wesentliche Merkmale des Terminus wären zu betrachten:

1. Der Terminus ist durch eine Definition zu erklären. Termini sind deshalb immer Fachwörter, deren Inhalte durch Definitionen festgelegt sind.

2. Der Terminus ist nur aus einer Theorie abzuleiten und kommt daher nur als Element einer Terminologie vor.

Außerhalb dieses terminologischen Systems kann er auch nichtterminologisches gemeinsprachliches Wort sein (Geschoss, Flasche).

3. Der Inhalt oder die Bedeutung des Terminus nähert sich dem höchsten Grad begrifflicher Abstraktion. Damit wird bei allen Kommunikationsteilnehmern, die über eine bestimmte Terminologie verfügen, eine höchstmögliche Übereinstimmung der Begriffe erreicht.

4. Das Verständnis eines Terminus setzt die Kenntnis seiner Systemgebundenheit voraus.

Abschließend wäre noch ein bezeichnendes Merkmal der Termini zu nennen: viele technische Termini sind standardisiert, sie sind das Ergebnis der Terminologienormung.

 

 

Berufslexik bzw. Professionalismen (Halbtermini). Die Berufslexik oder die Professionalismen dienen ebenso wie die Termini der sach- oder fachgebundenen Kommunikation. Das ist wie die Termini eine sach- oder fachgebundene Lexik. Aber zum Unterschied von den Termini sind die Professionalismen nichtstandardisierte und nichtdefinierte Fachwörter.

Allgemein wird der Unterschied der Professionalismen von den Termini darin gesehen, dass die Berufslexik der praktischen fachgebundenen Verständigung dient oder eine praktisch-fachliche kommunikative Funktion ausübt zum Unterschied von der theoretisch fachlichen kommunikativen Funktion der Termini.

Der Wortschatz der fachgebundenen Lexik dieser Schicht stellt sehr differenzierte Benennungen von Werkzeug, Werkstoffen, Arbeitsvorgängen und Erzeugnissen dar. Das sind Wörter, die sich mit dem gemeinsprachlichen Wortschatz kreuzen und sich von diesem meist nur durch Zugehörigkeit zu einem speziellen Fachbereich und – dementsprechend – durch eine spezialisierte Bedeutung abheben.

Gleich den Termini stehen die Professionalismen, wie das in der einschlägigen Literatur hervorgehoben wird, nicht als Dubletten neben entsprechenden Ausdrücken des gemeinsprachlichen Wortschatzes, sondern “dieser Wortschatz vertieft und besondert diesen vielmehr in einem Teilbereich”.

 

Fachjargonismen (Berufsjargonismen). Neben Termini und Halbtermini werden zur fachgebundenen Lexik auch expressive Dubletten der Fachwörter gezählt. Sie haben einen anderen Charakter als gewöhnliche Fachwörter, denn bei ihrem Gebrauch kommt es nicht auf Genaunigkeit oder Eindeutigkeit der fachgebundenen Kommunikation an, sondern auf wertende, oft abwertende Charakteristika. Sie tragen nicht zur Besonderung und Vertiefung der sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten bei, sondern werden neben den Termini oder Halbtermini und häufig an ihrer Stelle gebraucht, besonders im alltäglichen vertrauten Umgang mit Arbeitskollegen oder anderen Angehörigen der betreffenden Berufsgruppe.

Sie sind deshalb oft nur auf einen engeren Kreis von Personen beschränkt. Sie haben meist bildhaften Charakter und enthalten vielfach eine starke wertende Bedeutungskomponente.

Aufgrund dieser Funktion wird diese Lexik als Berufsjargonismen oder Fachjargonismen bezeichnet: Klavier spielen für Fingerabdrücke abnehmen (Berufsjargonismus der Kriminalpolizei), einen verewigen für einen Verbrecher in den Akten  registrieren, окурки für мелкая сайра in der Sprache der Fischer.

 

Gruppenspezifische Wortschätze

 

Unter gruppenspezifischen Wortschätzen versteht man Sonderwortschätze verschiedener sozialer Gruppen einer Sprachgemeinschaft mit gemeinsamen Lebensbedingungen. In den früheren Klassifikationen als Standessprachen (Jargons), in jüngeren als Gruppensprachen, Gruppenwortschätze, Soziolekte, gruppenspezifische Wortschätze bekannt, entstammen sie Sprachverwendungsweisen sozialer Gruppen der Gesellschaft außerhalb der Sphäre der Produktion, Wissenschaft und Technik. Ihr Gebrauch kennzeichnet den Sprecher als Angehörigen einer Interessen-, Freizeit-, Alters- oder Organisationsgruppe.

Die sprachlichen Eigenheiten der sozialen Gruppen bestehen vor allem in einem gruppenspezifischen Wortschatz, wobei Grundwortschatz und grammatische Struktur jedoch einer Existenzform entsprechen: der Literatursprache, der Umgangssprache oder der Mundart. In der Regel verfügt ein Sprecher über mehrere Normen, z.B. die Literatursprache, verschiedene Register der Umgangssprache, eine Fachsprache. Je nach dem Bildungsgrad und der konkreten Kommunikationssituationen werden entsprechende Normen verwendet.

Der Unterschied dieser gruppenspezifischen Lexik von den Fachwortschätzen ist bereits in der älteren Germanistik treffend formuliert: Zum Unterschied von Fach- und Berufssprachen sind die besonderen Ausdrüke der gruppenspezifischen Wortschätze expresssive oder euphemistische Synonyme zu den bereits bestehenden Wörtern der Gemeinsprache.

Die Gruppenwortschätze werden von der jeweiligen Gruppe der Sprachgemeinschaft geprägt, die sie ins Leben ruft. All diese Wortschätze haben jedoch eines gemeinsam – die Anschaulichkeit und Bildhaftigkeit der Wörter, die durch metaphorische Übertragung der gemeinsprachlichen Lexik entsteht. Das ist die Hauptquelle aller Gruppenwortschätze sozialer Gruppen. Vgl. einige aus dem zweiten Weltkrieg stammende Sozialektismen der Soldaten, wie Spatz für ein kleines Stück Suppenfleisch, Wasser mit Wasser für dünne Suppe, braune Husaren für Flöhe.

Zu den bekanntesten gruppenspezifischen Wortschätzen des Deutschen gehören die sogenannte Studentensprache, die Gaunersprache bzw. das Rotweltsch oder Argot, die Soldatensprache.

Die Gaunersprache, auch als Deklassiertenjargon bezeichnet, nimmt einen besonderen Platz ein. Die Jargonismen dieser Gruppe erfüllen, wie das traditionsgemäß in der einschlägigen Literatur betrachtet wird, eine Tarnfunktion. Dieser Gruppenwortschatz ist ein Mittel, sich von den Nichteingeweihten abzusondern und für alle anderen Angehörigen der Sprachgemeinschaft unverständlich zu bleiben. Thematisch sind das vor allem Synonyme für verschiedene Arten von Verbrechen, Verbrechern, Verbrecherwerkzeug, ferner Synonyme für Geld, Polizei, besonders Kriminalpolizeibeamten, Bezeichnungen von Lebensmitteln, Kleidung u.ä. Zur Tarnfunktion eingneten sich sowohl die gemeinsprachliche Lexik als auch Entlehnungen aus Fremdsprachen mit sehr beschränkter Verbreitung.

Ein viel umstrittenes Problem der gruppenspezifischen Lexik sind gewisse Eigenheiten des Wortschatzes der Jugendlichen, die sich nach 1945 entwickelt haben. In der einschlägigen Literatur wird dieser Gruppenwortschatz sehr verschieden bezeichnet: Jugenddeutsch, Jugendjargon, Jugendslang, Halbwüchsigendeutsch, Teenagerdeutsch, Twendeutsch, die Sprache der Teenager und Twens, Jugendsprache, Soziolekt (der Jugendlichen).

Dass es sich in diesem Fall um keinen Jargon im Sinne einer Einheit von lexikalischen, grammatischen und lautlichen Besonderheiten handelt, die sich durch Systemhaftigkeit und Norm auszeichnet, haben auch die jüngsten Untersuchungen gezeigt, in denen als Elemente der Signalfunktion der Jugendlichen nur Wörter und Wortgruppen angeführt werden.

Was die sogenannte Jugendsprache von früheren Altersgruppensprachen, z.B. der alten Studentensprache unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie sozial nicht gebunden und nicht beschränkt ist. Träger dieses Gruppenwortschatzes sind verschiedene Altersgruppen, sie umfassen Jugendliche im Alter von 14 bis 30 Jahren. Vgl. die lexikographischen Angaben: der Teenager ist ein junges Mädchen von 14 bis 19 Jahren, der Twen - ein junger Mann von 20 bis 30 Jahren.

Die Hauptquelle der gruppenspezifischen Lexik der Jugendlichen ist die gemeinsprachliche Lexik, aber auch Entlehnungen aus anderen Gruppensprachen, Dialekten und Fremdsprachen sind zu verzeichnen. Gerade in der Jugensprache treten die Wechselbeziehungen zwischen gemeinsprachlicher Lexik und anderen Gruppensprachen besonders deutlich zutage.

Die überwiegende Mehrheit der Jugendjargonismen (semantischtransformierte  gemeinsprachliche Lexeme) ensteht durch metaphorische Bedeutunsübertagung: Kanne für Saxophon, Badenwanne, Hundehütte für Kontrabaß, Pfanne für Banjo, Wurzel für Klarinette u.a.

Entlehnungen aus Fremdsprachen sind primär Anglo-Amerikanismen. Das sind in erster Linie Bezeichnungen für Jugendliche selbst: der Teenager und die Scheinentlehnung – der Twen (englisch nicht vorhanden, eine Bildung der Jugendsprache aus dem engl. twenty). Ferner sind zahlreiche Anglo-Amerikanismen zu nennen aus den Bereichen Musik, Film, Fernsehen, Freizeitgestaltung, Mode: Country-Musik, Disko, Sportdress, T-Shirt u.a.m.

 

Wechselbeziehungen zwischen Sonderlexik

und Allgemeinwortschatz

 

Die Wechselbeziehungen zwischen der Sonderlexik und dem Allgemeinwortschatz standen immer und stehen auch heute im Mittelpunkt des Interesses. Schon F.Kluge, der sich als einer der ersten mit den Sonderwortschätzen des Deutschen befasste, sprach seinerzeit von Sondersprachen als einer Quelle, aus der sich die Gemeinsprache fortwährend bereichert.

Die Bereicherung der Gemeinsprache, in diesem Fall des Allgemeinwortschatzes, durch die Sonderwortschätze ist aber kein einseitiger Prozess. Die moderne Wortforschung untersucht deshalb die beiderseitigen Einwirkungen bzw. Wechselbeziehungen zwischen Sonder- und Allgemeinwortschatz. Diesem Problem ist eine umfangreiche einschlägige Literatur gewidmet, darunter sind viele Arbeiten, die sich mit den Einflüssen der Fachlexik auf den Gemeinwortschatz auseinanderzetzen. Das hängt damit zusammen, dass die Fachwörter verschiedener Bereiche immer stärker den Wortbestand der Gemeinsprache beeinflussen. Darum spricht man heute von einer zunehmenden Intellektualisierung auch der Gemeinsprache als Folge einer immer stärker von Wissenschaft und Technik beeinflussten gesellschaftlichen Entwicklung. Eine wichtige Rolle spielen hier die ständige Erhöhung des Bildungsniveaus, die zunehmende Bedeutung populärwissenschaftlicher Arbeiten usw.

Aber das Eindringen der ehemaligen Termini in die Gemeinsprache ist wiederum nicht ein einseitiger Prozess, denn der Bedarf an neuen Fachwörtern wird (von Entlehnungen aus Fremdsprachen abgesehen) in bedeutendem Umfang unter Zuhilfenahme von Wortmaterial aus dem nichtfachbezogenen Bereich der Lexik gedeckt, d.h. aus dem Allgemeinwortschatz.

Die Lexik der Gemein- und Umgangssprache wird ständig durch Gruppenwortschätze bereichert. Die synonymischen und thematischen Reihen des Allgemeinwortschatzes werden mit stilistischen und ideographischen  Synonymen, Lexemen und Phraseologismen der gruppenspezifischen Wortschätze der sozialen Gruppen aufgefüllt. Die Übernahme der Gruppenwortschätze in die Gemeinsprache wird, je nach der Art derselben, von verschiedenen semantischen Transformationen begleitet.

Bezeichend für alle Lexeme und Phraseologismen, die in die Umgangssprache oder Schriftsprache aus den Gruppenwortschätzen übernommen werden, ist ihre zusätzliche semantische Umformung. Entweder sind die Bedeutungen im Vergleich zu den Bedeutungen der Sonderlexik erweitert oder – und das ist vor allem für Wortgruppen kennzeichnend – es tritt eine metaphorische Bedeutungsübertragung ein, wodurch Phraseologismen entstehen.

Die erste Erscheinungsform der deutschen Sprache, die gewöhnlich durch die Sonderwortschätze der sozialen und Altersgruppensprachen bereichert wird, ist die Umgangssprache, aus der gewöhnlich unter bestimmten Bedingungen auch das weitere Eindringen der Sonderlexik in die Schriftsprache möglich ist.

Der Beitrag der Jugendlexik zur Erweiterung der expressiven, stilistisch markierten Lexik ist in den letzten Jahrzehnten bedeutend. Gerade die Jugendsprache ist eine der wichtigsten Quellen der gängigen Ausdrücke bzw. Modewörter in der saloppen Alltagsrede. Das geschieht nämlich vor allem dann, wenn das sprachliche Inventar der Jugendlichen von anderen übernommen wird, die außerhalb der sozialen Gruppe der Jugendlichen stehen und somit eine andere Funktion erfüllt als gruppenspezifischer Wortschatz der Jugendsprache.

Es gibt noch einen Sonderwortschatz, dessen Jargonismen ähnlich der Jugendlexik vorwiegend ohne sekundäre semantische Prozesse in die Gemeinsprache übernommen wurden. Das ist die Gaunersprache (Argot, Rotwelsch). Diese Jargonismen, vielfach als Argotismen bezeichnet, drangen in erster Linie in die soloppe oder grobe Umganssprache ein.

Einige Argotismen sind in die Schriftsprache eingegangen, z.B.: Hochstapler, Ganove.

Diese Wörter haben auch einen Bedeutungswandel erfahren. Hochstapler ist eine Substantivbildung zu dem gaunersprachlichen stapeln “betteln” und bezeichnete zunächst  “den ‚hoch’ (d.h. vornehm) auftretenden Bettler”. Heute bedeutet das Wort: “jmd., der durch betrügerisches Auftreten eine geachtete gesellschaftliche Stellung vortäuscht, um sich dadurch Vorteile zu verschaffen”.

Bei der Betrachtung der Erscheinungsformen der deutschen Sprache, der Stratifikation des deutschen Wortbestandes und der Wechselbeziehungen zwischen verschiedenen Schichten desselben kann man folgende grundsätzliche Schlüsse ziehen:

1. Aus synchroner Sicht ist der Wortbestand ein vielschichtiges Gebilde, das die Kommunikation einer Sprachgemeinschaft gewährleistet.

Die zentrale Schicht bildet der Allgemeinwortschatz oder der gemeinsprachliche Wortschatz, der den Begriffsschatz der Sprache repräsentiert, was seine Multivalenz bedingt, d.h. seine Gültigkeit in allen Gebrauchssphären. Diese Schicht ist außerdem durch normative Vorbildlichkeit für alle Sprachträger und einen Reichtum an funktionalstilistischen Varianten gekennzeichnet.

Um diesen Kern liegen weitere oder periphere Schichten, von denen in erster Linie zu nennen sind die zahlenmäßig bedeutende Schicht fachgebundener Lexik (Termini , Halbtermini, Fachjargonismen) , ferner die Gruppenwortschätze sozialer Gruppen und der Altersgruppen. Und schließlich ist in der Schichtung die territorialgebundene Lexik (dialektale und landschaftliche) zu verzeichnen.

2. Aus diachroner Sicht ist der Wortbestand Produkt zahlreicher sozialbedingter und sprachlicher Übergänge aus zentraler Schicht in  periphere und umgekehrt. Die Wechselbeziehungen zwischen Allgemeinwortschatz und fachbezogener Lexik einerseits und Allgemeinwortschatz und Gruppenwortschätzen andererseits werden von verschiedenen semantischen Prozessen begleitet.

Die Übergänge gemeinsprachlicher Lexeme in Gruppenwortschätze sind mit gruppenspezifischer sprachlicher Absonderung bzw. Spezialisierung verbunden.

Die Übergänge der Gruppenwortschätze in Allgemeinwortschatz sind durch Erweiterung der sozialen Geltung und funktionalstilistischen Anwendung der letzteren bedingt, da sie sich in der Gemeinsprache in stilistisch markierte, meistens abwertende Synonyme verwandeln, wie das beispielsweise der Gebrauch des ehemaligen Argotismus Ganove in der Pressesprache zeigt.

Bei der Übernahme von Jargonisten und Argotismen in die Schrift- und Umgangssprache handelt es sich nicht nur um rein mechanische Auffüllungsprozesse, sondern auch um zusätzliche semantische und funktional-stilistische Transformationen, die die soziale Geltung des Lexems verändern: vom beschränkten gruppenspezifischen Gebrauch zum gemeinsprachlichen.

 

Die territoriale Differezierung des deutschen Wortbestandes

 

Die territorialgebundene Lexik ist für zwei Erscheinungsformen der deutschen Gegenwartssprache kennzeichnend: 1. Mundart, 2. Umgangssprache.

Unter Mundart bzw. Dialekt – beide Bezeichnungen werden vielfach gleichbedeutend verwendet – wird hier eine Existenzform der Sprache verstanden, die

1. vorwiegend gesprochen wird,

2. das Kommunikationsmittel einer geographisch enger begrenzten (lokalen) Sprachgemeinschaft darstellt,

3. eine bestimmte soziale Trägerschicht besitzt,

4. nicht universell verwendbar ist, sondern nur bestimmte Funktionen im Rahmen der gesellschaftlichen Kommunikation ausübt und

5. durch ein Sprachsystem mit spezifischer Struktur gekennzeichnet ist.

 

Die bedeutenden territorialen bzw. landschaftlichen Unterschiede in Lexik und Phraseologie der Umgangssprache und eine bis heute bedeutende, eng begrenzte Lexik und Phraseologie auf mundartlicher Ebene bildet eine spezifische Eigenart der deutschen Sprache.

Die historischen und sprachsoziologischen Ursachen für diese Eigenart liegen in den Besonderheiten des Entwicklungsprozesses  der deutschen bürgerlichen Nation und der deutschen nationalen Schrift- bzw. Gemeinsprache.

Das Scheitern der frühbürgerlichen Revolution (der Reformation des 16.Jhs.), die darauffolgende Verstärkung der feudalen Zersplitterung, der erst im 18.Jh. einsetzende Aufstieg der Produktivkräfte und die späte Bildung des einheitlichen kapitalistischen Staates (1871) – all das waren die entscheidenden Faktoren zur späten Herausbildung der deutschen bürgerlichen Nation und der nationalen Schriftsprache.

Die Grundlage der deutschen Schriftsprache bilden die ostmitteldeutschen Dialekte von Obersachsen und Ostthüringen. Diese liegen allerdings nicht in rein mundartlicher Form dem Schrifttum der Reformation und des deutschen Bauernkrieges sowie die Sprache der Lutherschen Bibelübersetzung zugrunde, da die Bibel ja ein Werkzeug der Reformation war.

Kennzeichnend für die Formierung der deutschen nationalen Einheitssprache war die Tatsache, dass diese ostmitteldeutsche Variante der Schriftsprache sich im Laufe des 16., 17. und 18. Jhs. sowohl nach Süd- und Nordwesten als auch nach Nordosten verbreitete und die lokalen Mundarten erst allmählich verdrängte. Das bedeutete ein jahrhundertelang währendes Nebeneinanderbestehen von Schriftsprache und Mundarten, was dem deutschen Wortbestand ein besonderes Gepräge verliehen hat. Aus diesen Gründen erscheint es sinnvoll, auf die Wechselwirkung zwischen Schriftsprache und Mundart kurz einzugehen und Tendenzen ihrer Entwicklung festzustellen.

Da Schriftsprache und territoriale Dialekte historisch veränderlich sind und historische Kategorien bilden, muss man präzisieren, dass sie in der Epoche der Herausbildung der nationalen Schriftsprache der deutschen bürgerlichen Nation betrachtet werden.

Die grundsätzlichen Unterschiede zwischen Schriftsprache und territorialen Dialekten sind in der Epoche der Nation folgende:

1. Die nationale Schriftsprache bzw. Gemeinsprache ist im Vergleich zum territorialen Dialekt eine höhere Entwicklungsstufe der Sprache. Sie ist im Gegensatz zum Dialekt nicht territorial begrenzt und gebunden. Sie ist multivalent, d.h. sie gewährleistet die Kommunikation in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens einer Sprachgemeinschaft.

2. Die territorialen Dialekte bilden in der Epoche der nationalen Einheitssprache eine degradierende   Kategorie. Sie gewährleisten nur eine beschränkte Kommunikation: die  Verständigung bei der Ausübung beruflicher Tätigkeit unter der Bauernbevölkerung und den Alltagsverkehr in einer geographisch eng begrenzten Gegend. Ein wirksamer Faktor bei der allmählichen Verdrängung der Dialekte sind Nationalsprachen, die sich bereits beim Übergang von Feudalismus zum Kapitalismus begannen. In diesem Sinne werden die territorialen Dialekte dieser Epoche als territorial-soziale betrachtet.

 

Der Wortschatz der Ortsdialekte, historisch aus den Bedingungen der bäuerlich-agrarischen Produktions- und Lebensweise hervorgegangen und dies im starken Maße reflektierend, kennzeichnet sich durch folgende Eigenheiten.

 Im mundartlichen Wortschatz sind verschiedene Gebiete des landwirtschaftlichen Berufes, die in der betreffenden Landschaft bestehen, reich vertreten. Das sind Feldwirtschaft, Viehzucht, Gemüseanbau, Gartenbau, ferner der Wortschatz verschiedener Gewerbe wie Fischfang, Jagd, Weberei, Zimmerei u.a. Außerdem zeigt der mundartliche Wortschatz eine Fülle von Synonymen zum Ausdruck der Lebensbedürfnisse, der Hauswirtschaft, des Alltags. Je nach der geographischen Lage und wirtschaftlichen Entwicklung der betreffenden Gegend überwiegen im Wortschatz der Mundarten diese oder jene Wortklassen der Berufslexik.

Viele Gebiete, auf denen die Schriftsprache großen lexischen Reichtum aufweist, sind dagegen in den Mundarten nur schwach oder gar nicht entwickelt, z.B. Staats- und Heerwesen, Wissenschaft, Kunst u.dgl.m. Was diese Lexik abstrakten Charakters anbelangt, so fällt sie mit der Schriftsprache zusammen. Dieser Umstand ist entweder darauf zurückzuführen, dass diese Wortklassen in die Schriftsprache zur Zeit ihrer Herausbildung aus Mundarten übernommen wurden, oder dass sie eher der Schriftsprache entnommen sind.

In der Epoche der Nation weichen die Dialekte vor der Schriftsprache immer mehr zurück, und wenn das im Deutschen auch bedeutend langsamer als in anderen Sprachen geschah, wurde dieser Prozess doch überall festgestellt.

 

Der erste Typ territorialgebundener Lexik sind mundartliche Varianten. Sie sind  landschaftlich eng begrenzt und nur auf mundartlicher Ebene bekannt und geläufig.

Beispiele: Frosch - Padde - Pogge - Hetsche - Kecker.

            Den zweiten Typ territorialgebundener Lexik bilden territoriale oder landschaftliche Varianten (territoriale Tautonyme). Sie sind mundartlicher Herkunft, aber unterscheiden sich von der Mundartlexik dadurch, dass sie zum Wortbestand einer anderen Erscheinungsform der Sprache (Umgangssprache) gehören. Diese landschaftlichen Varianten sind zwar landschaftlich gebunden, aber überall bekannt. P. Kretschmer, der als erster diese landschaftlichen Varianten erforschte und beschrieb, betonte, dass „sie alles gleich gute hochdeutsche Ausdrücke sind“. R. Große charakterisiert sie folgendermaßen: „...man verwendet gewöhnlich nur eines der Wörter. Aber sehr vielen Menschen, die Deutsch als Muttersprache sprechen, sind doch die anderen auch bekannt und viele wissen auch um die landschaftliche Beurteilung dieser Wörter“. Beispiele: Sonnabend – Sonntag; Fleischer – Metzger – Schlächter; Sahne – Rahm; Streichhölzer – Zündhölzer; Junge – Bub; fegen – kehren; gestern abend – gestern auf die Nacht;  heute Morgen – heute in der Früh.

   

             Von den landschaftlichen Varianten sind die nationalen Varianten der Lexik zu unterscheiden. Es handelt sich in diesem Fall um die Lexik solcher mehr oder weniger standardisierten Varianten der deutschen Sprache, die als Literatursprachen anderer Nationen funktionieren. Dazu gehören vor allem die österreichische nationale Variante und die Schweizer Variante. Solche Wörter wie z.B. Samsteg, Erdapfel können zu gleicher Zeit als landschaftliche oder nationale Varianten der Lexik betrachtet werden je nachdem, ob sie in Schwaben, Bayern оder in Österreich gebraucht werden.

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